Mansplaining. Warum es so nervt und wie wir da raus kommen.

09.10.2020  |  Allgemein, Blog  |  Autor: Nicole Gugger  |  0 Kommentare
Schnecke klettert auf Grashalm

Kennst Du den Begriff Mansplaining? Regst Dich vielleicht regelmäßig darüber auf?
Oder wurde es Dir schon mal vorwurfsvoll an den Kopf geworfen?

Wer den Begriff noch nicht kennt.. hier kommt die Definition laut Wikipedia: „Mansplaining bezeichnet herablassende Erklärungen eines Mannes, der fälschlicherweise davon ausgeht, er wisse mehr über den Gesprächsgegenstand als die – meist weibliche – Person, mit der er spricht. Der Begriff benennt die Machtasymmetrien in der Kommunikation zwischen Männern und Frauen.“

Das gibt es tatsächlich erschreckend häufig und ist wirklich ausgesprochen lästig. Manchmal auch geradezu lächerlich. Twitter ist eine Fundgrube an Beispielen. Bei der Definition gehört da allerdings eine „einseitig empfundene“ Machtsymmetrie rein. Und ja, von älterem Mann zu jüngerer Frau ist wahrscheinlich die häufigste Konstellation in der das vorkommt. Das Patriachat, unsere gesellschaftliche Prägung und so lässt grüßen.

Aber eigentlich ist mir das auch schon sehr, sehr häufig von Frauen begegnet. Allerdings immer von etwas älteren, also vielleicht Agesplaining? Und leider muss ich auch zugeben, dass ich auch schon das ein oder andere Mal ein ähnliches Verhalten an den Tag gelegt habe. Zum Glück nur recht selten, es gab da eine Situation die sehr lehrreich war.

Was passiert da?

Mit dem Hintergrund der Transaktionsanalyse kann man ja oft ganz anders auf die Dinge blicken und viele alltägliche Phänomene gut erklären und nachvollziehbar machen.

Und dann ist Mansplaining einfach nichts anderes als ein typisches Verhalten im Eltern-Ich: Ich habe – so denke ich – viel Ahnung und damit mehr Ahnung von einem Thema als andere und möchte diese Menschen an meinem Wissen teilhaben lassen. Ist grundsätzlich ja  keine schlechte Absicht von der Person, wie so oft.

Die Frage ist – sieht das Gegenüber das auch so? Das heißt sehe ich als Empfänger des spontanen Vortrags diesen Menschen ebenfalls in seiner selbst empfundenen, überlegenden Position? Und ist das Verhältnis und die Situation dieser Asymmetrie angemessen? D.h. gestehe ich diesem Menschen seine empfundene Elternrolle zu?
Denn von da blicken wir nun mal von oben herab auf die Welt, ganz egal ob wir das auf kritische oder fürsorgliche Art tun. Wir glauben es besser zu wissen und die anderen auf die richtige Bahn zu leiten oder das fehlende Wissen mitzugeben. Diese Rolle macht auch in unterschiedlichen Situationen Sinn. Aber eben nicht immer. Und in dieser Elternrolle sind ziemlich viele Menschen leider dauerhaft unterwegs. Und damit oft auch unangemessen.

Denn dummerweise macht diese Haltung alle anderen klein. Sofern ich nicht gerade mit anderen auf gleicher Ebene am fachsimpeln bin. Und wenn ich jemanden als Kind behandle, brauche ich mich auch nicht wundern, dass der Mensch gegenüber plötzlich auf kindlich-bockige Art losschimpft. Auch wenn das oft erstmal irritiert, ist es völlig angemessenes Verhalten. Er tut genau das, wozu ich ihn oder sie getrieben habe.

Viel häufiger ist allerdings ein angepasstes Kind, also eins das diese Predigt brav und ohne Widerworte über sich ergehen lässt. Was noch lange nicht heißt, dass der Effekt auf irgendeine Art besser ist. Die Elternrolle braucht nur kein Gegenwind befürchten. Eigentlich schade, denn so wird die Chance vertan die Unangemessenheit aufzudecken.

Wenn wir jetzt also irgendeinen Tweet zu unserem Lieblingsthema zum Anlass nehmen, den anderen mit einem Vortrag zu belehren…
stell Dir vor das passiert Dir und Du hast nur zu diesem Thema geschrieben, weil es Deine besondere Expertise ist. Dann ist das im Idealfall nur nervig. Vielleicht kostet es Zeit. Aber wenn Dir das immer und immer wieder passiert, weil Du eine entsprechende Reichweite hast, dann wird das Ärgernis immer größer. Und ja, als relativ jung aussehende Frau wird Dir das um ein Vielfaches häufiger passieren. Kann man dann irgendwann noch von „ein bisschen nervig“ reden? Ab welcher Häufigkeit darf man von chronisch angepisst reden? Wann darf man über das immer gleiche Verhalten der immer gleichen Gruppe auf einfach stinkwütend sein, weil die einfach nicht kapieren, wie arrogant und übergriffig das ist? Ab wann darf man die Geduld verlieren und zurück brüllen, statt versöhnlich zu erklären?

Und wie lösen wir das jetzt?

Also versuchen wir es doch besser zu machen und bleiben „erwachsen“. Das was wir uns vom anderen auch gewünscht hätten und was bei Unkenntnis über den Background sowieso immer angemessen ist. Und nein, ein genervtes „Mansplaining“ zu entgegen, ist da meistens eben nicht hilfreich. Eine subjektive aber unaufgeregte Beschreibung wie das Verhalten wirkt und wie unangemessen man es empfindet, schon eher. Stichwirt Gewaltfreie Kommunikation. Ist – sofern die eigene Energie es zulässt – also durchaus einen Versuch wert.

Doch wichtiger finde ich die andere Seite.. wenn ich bemerke, dass ich versucht bin, jemandem die Welt zu erklären, gibt es einen einfachen Trick. Innehalten und einfach kurz nachfragen, ob der Rat oder Gedanke erwünscht ist.

Bei einem Nein kann ich mir den Aufwand und eine potentiell schnippische Antwort sparen.
Bei einem Ja habe ich die Chance auf einen wertvollen Austausch. WIN WIN.

Und falls es mir doch mal rausrutscht und ich es erst anschließend merke, kann ich mich immer noch dafür entschuldigen. Ein „Ups, spontaner Anfall von Klugscheißeritis meinerseits. Ich bitte um Entschuldigung und wünsche einen schönen Tag.“ kann Wunder wirken.

Wie macht Ihr das? Welche Erfahrungen habt Ihr damit gemacht – auf beiden Seiten?
Wir würdet formulieren Ihr das in solchen Situationen?
Ich freu mich, wenn Ihr Eure Geschichten und Gedanken dazu mit mir teilt.



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