Wie ich aufhörte an der Welt zu verzweifeln.

Was für eine Zeit. Mitten in einer Pandemie und dann hält auch noch die US Wahl gefühlt die ganze Menschheit in Atem. Nicht wenige mir bekannte Menschen scheinen an der Welt zu verzweifeln, bzw. an der Menschheit. Weltschmerz aller Orten.

So weit weg und doch ist die Welt mittlerweile so vernetzt, das es sich ganz nah anfühlt. Und nachdem das Jahr 2020 sich wirklich selbst übertroffen hat mit Herausforderungen und schlechten Nachrichten hofften wir vermutlich alle auf ein schnelles gutes Zeichen, stattdessen banges Zittern, warten und auf Zahlen starren.

Und obwohl auch mich alle diese Gedanken und Sorgen natürlich umtreiben, bin ich im Großen und Ganzen recht gelassen.
Vor ein paar Jahren sah das noch ganz anders aus. Und ich mag mir die momentane Entwicklung in vielen Bereichen in meinem damaligen Zustand wahrlich nicht ausmalen. Deshalb finde ich es sinnvoll, mal genauer hinzugucken.

Was genau hat sich geändert?

Ich erinnere mich bildhaft daran, wie ich im Institut meines Ausbilders saß und mir einen Einzeltermin zur Aufarbeitung meiner Altlasten gönnte. Wie ich aus dem Fenster an die gegenüberliegende graue Altbaufassade starrte und partout nicht glauben konnte, dass das Leben noch irgendeinen Anlass zur Hoffnung bieten sollte. Ich fragte ihn, ob ihm das nicht auch immer mal wieder so ginge.

Seine Antwort „was hätte ich davon?“ fand ich extrem irritierend. Doch im weiteren Gespräch fing es an sich mir zu erschließen und wurde in der nächsten Zeit mein ständiges Mantra.

Was habe ich davon? Es in dem Moment rausgelassen zu haben? Ja schon, aber es wird ja dadurch nicht weniger. Eher steigert es sich noch, wenn ich in der Haltung drin bin. Zum ärgern gibt es doch immer genug Gründe.
Nochmal genauer: was habe ich davon, mich auf die negativen Seiten der Welt, der Menschheit, unserer Gesellschaft zu konzentrieren? Exakt nichts. Es ist eine Gedankenspirale die nur nach unten führt.

Perspektivwechsel

Wertvoller ist die gegensätzliche Überlegung: Was bringt es mir, mich stattdessen auf das Gute zu konzentrieren? Auf das was alles gut ist, was es wert ist gesehen, genossen, geschätzt oder sogar geliebt zu werden. Wie viele wunderbare Menschen kennt man, die sich für Gutes engagieren. Und – welchen Anteil kann ICH leisten die Welt in dieser Richtung ein kleines bisschen besser zu machen?

Das war sein Ansatz: Sich auf das konzentrieren was gut ist. Und was man selbst dafür tun kann:

„Sich selbst positiv wirksam machen.“

Ich habe es danach wirklich eine Weile mantramäßig wiederholen müssen, es mir immer wieder bewusst machen. Es hat funktioniert. Nicht, dass es diese anderen Momente nicht mehr gäbe, aber sie sind viel flüchtiger. Ich komme schnell und ohne Hilfe wieder heraus.

Zu diesem Thema gibt’s auch noch einen super Filmtipp „Bridge of Spies“, sehr eindrücklich was die Kraft dieser Haltung ermöglicht.

Und auch von Angela Merkel gibt es inzwischen das bekannte Zitat „Wenn Aufregung helfen würde, würde ich mich aufregen.“ Und vermutlich ist es genau diese Haltung, die sie manchmal so distanziert aber gleichzeitig auch so wohltuend reflektiert und vernünftig wirken lässt. Und sicher eine gute Basis ist, um ihren Job nicht nur auasfüllen, sondern auch ertragen zu können.

Also, wenn wir sehen was da alles falsch läuft und uns aufregen. Nutzt es was?
Ist Wut auf Menschen das was ich will? Es ist genau das Werkzeug „der anderen“.

Weltschmerz ade.

Stattdessen: was kann ich ändern? Wie kann ich es anders, besser machen und auf kleine oder auch große Weise einen positiven Unterschied machen. Es geht nicht darum, sich abzuwenden. Guckt hin, um dann zügig nach Wegen zu suchen etwas besser zu machen. Auf eine Art, die für Euch möglich, richtig und machbar ist.

Dauert ein bisschen,
aber es lebt sich wirklich besser – vor allem gelassener.



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